Ketamin


Substanz


Ketamin(hydrochlorid) ist ein Analgetikum (schmerzstillendes Mittel) und Narkosemittel, das vor allem in der Notfall- und Tiermedizin angewendet wird.

Reines Ketamin ist ein kristallines, weißes, geruchloses Pulver mit leicht bitter-metallischem Geschmack. Als medizinisches Anästhetikum (Schmerzmittel) und Narkosemittel wird es als klare, salzwässrige Lösung zur intravenösen (i. v.) Injektion verabreicht.

Ketamin wird geschluckt, gesnieft oder gespritzt und kann, wenn es auf dem Schwarzmarkt gehandelt wird, mit anderen Substanzen und / oder Streckmitteln versetzt sein. In Pillenform kommt Ketamin vor allem in Großbritannien vor und wird dort (manchmal mit MDMA vermischt) als Ecstasy verkauft.

Es werden zwei Formen von Ketamin gehandelt: Ketamin und S-Ketamin. S-Ketamin ist chemisch aufbereitetes Ketamin, bei dem die sedierende (beruhigende) und analgetische Komponente verstärkt wurde.
Es verursacht seltener Nebenwirkungen wie Albträume oder Horrortrips und wird deshalb seit einigen Jahren in der Notfallmedizin häufiger verwendet als Ketamin. S-Ketamin wirkt etwa doppelt so stark wie Ketamin.

Ketamin wird auch K, Keta, Ket, Special K, Kate, Vitamin K genannt. Als Medikament wird es unter dem Namen Ketanest® gehandelt. S-Ketamin ist unter den Markennamen Ketanest-S® und Ketamin-S® erhältlich

Wirkung


Unbedingt beachten: S-Ketamin muss nur halb so stark dosiert werden wie Ketamin, um eine ähnliche Wirkung zu erreichen.
Nasaler Konsum von Ketamin

Wirkungseintritt: nach 5 – 15 min
Wirkdauer: 45 – 60 min, die normalen Nacheffekte (Schwächegefühl) halten 1 – 3 h an.

Dosierung


  • 15 – 25 mg (0,3 mg / kg Körpergewicht) Ketamin reichen aus, um eine dem angetrunkenen, »beschwipsten« Zustand ähnliche Wirkung zu erzielen. Wenn noch körperliche Aktivitäten wie Tanzen oder Gehen geplant sind, eignet sich eine höhere Dosis nicht, da ab einer Dosis von 30 mg die motorischen Fähigkeiten stark eingeschränkt sein können.

  • Dosierungen zwischen 30 und 110 mg (0,4 – 1,5 mg / kg Körpergewicht) können als unangenehm empfunden werden, da Nebenwirkungen bei solchen Dosierungen bereits deutlich spürbar sind, die evtl. erwünschte Wirkung einer vollen Rauscherfahrung jedoch (noch) nicht eintritt.

  • Eine Dosis von 90 – 160 mg (1,5 – 2 mg / kg Körpergewicht) ist ausreichend für eine »volle Erfahrung«: Der Rausch beginnt mit einer fragmentarischen Auflösung der Umwelt. »K- Hole«: Gefühl, aus dem Körper herauszutreten (Ich-Entgrenzung und Ich-Auflösung). Halluzinationen sind möglich. Gefühl von Benommenheit. Geschmacks- und Geruchssinn sind ausgeschaltet. Musik wird verzerrt wahrgenommen. Allgemeine Wahrnehmungsleistung, Redelust und emotionales Empfinden sind herabgesetzt. Die Handlungsfähigkeit ist vermindert und das Schmerzempfinden verringert – Verletzungsgefahr. Oraler Konsum von Ketamin

  • Das Pulver wird in eine Tasse gefüllt, mit ca. 2 cl heißem Wasser aufgegossen und umgerührt, bis es sich auflöst. Dann wird die Tasse mit einem säurehaltigen Getränk aufgefüllt (z. B. Orangensaft), um den schlechten Geschmack von Ketamin zu überdecken.

Wirkungseintritt: je nach Mageninhalt nach 5 – 20 min
Wirkdauer: ca. 90 min, Nacheffekte halten 4 – 8 h an.
Dosierung:

  • Schwellenwert: 0,6 mg / kg Körpergewicht (40 – 50 mg)
  • Leicht: 1,2 mg / kg Körpergewicht (50 – 100 mg)
  • Üblich / Mittel: 1,5 – 4 mg / kg Körpergewicht (75 – 300 mg)
  • Stark: 3 – 5 mg / kg Körpergewicht (200 – 450 mg)
  • Überdosis: 6 – 8 mg / kg Körpergewicht (> 450 mg)
  • Intramuskulärer / Intravenöser Konsum von Ketamin

Zum Injizieren sollten nur Lösungen verwendet werden, die es als Fertigarzneimittel gibt (Ketanest®, Ketanest-S®, Ketamin-S® etc.)

Wirkungseintritt: Wird Ketamin i. v. gespritzt, tritt die Wirkung innerhalb von Sekunden ein, intramuskulär (i. m.) injiziert nach 2 – 4 min.
Wirkdauer: 30 – 60 min, die Nacheffekte halten 2 – 4 h an.

Auch hier gilt: S-Ketamin (Ketanest-S®, Ketamin-S®)
muss nur halb so stark dosiert werden wie Ketamin !
Dosierung...

...bei i. m. Konsum

Laut Userangaben übliche Dosis: 60 – 110 mg (0,9 – 1,5 mg / kg Körpergewicht)

...bei i. v. Konsum:

Laut Userangaben übliche Dosis: ca. 50 mg (ca. 0,6 mg / kg Körpergewicht)
Nachweiszeiten:

Ketamin ist mit aufwändigen Verfahren im Blut einige Stunden, im Urin ca. 1 - 4 Tage nachweisbar.
Kurzzeitnebenwirkungen

Blutdruck und Puls sind erhöht, es können Übelkeit und Erbrechen auftreten (vor allem bei Bewegung). Verlust der Kontrolle über die körperliche Bewegungskoordination und Muskelbewegungen (Ataxie) ist möglich. Sehr starke Wahrnehmungsveränderungen können Angstzustände auslösen. Nach dem Rausch hält noch lange ein Schwächegefühl an.
Der Hirndruck kann erhöht werden, Sehstörungen, Schwindel, erhöhter Speichelfluss und motorische Unruhe können auftreten.

Bei Überdosis: Plötzliche Bewusstlosigkeit (meist mit geöffneten Augen: Austrocknung der Augen), Lähmungen, Krampfanfälle und Koma möglich.

Bei schnellem i. m. und i. v. Konsum oder hohen Dosen besteht ebenfalls die Gefahr einer Atemdepression.

In seltenen Fällen kommt es zu einer allergischen Reaktion auf Ketamin.
Langzeitnebenwirkungen

Die Langzeitnebenwirkungen des Ketamin-Konsums sind bisher kaum erforscht. Organschäden werden angenommen. Sicher ist jedoch, dass Erinnerungslücken, Toleranzentwicklung und psychische Abhängigkeit auftreten sowie Psychosen ausgelöst werden können.

Weiterhin kann es bei häufigerem Gebrauch zu Gehirn- und Nervenschäden kommen.

Wechselwirkungen


Grundsätzlich gilt: Die Risiken beim Mischkonsum sind höher als beim Monokonsum; Körper und Psyche werden stärker belastet. Einzelne Substanzwirkungen können verstärkt oder geschwächt werden. Es können auch ganz unerwartete Effekte auftreten, die nicht der Summe der Einzelwirkungen entsprechen. Die Wirkungen der jeweiligen Substanzen können zu verschiedenen Zeiten eintreten und unterschiedlich lange anhalten, dadurch können Wechselwirkungen zeitverzögert auftreten. Es ist von Vorteil, wenn Du vor dem Mischkonsum bereits Erfahrungen mit dem Monokonsum dieser Substanzen hast. So kannst Du Dir eher ein Bild davon machen, wie Körper und Psyche die jeweilige Wirkung verkraften.


  • Ketamin + andere atemdepressiv wirkende Substanzen wie Alkohol, Heroin, GHB / GBL / BDO, Schlaf- und Beruhigungsmittel (v. a. Barbiturate, Benzodiazepine): Es besteht ein erhöhtes Risiko einer Atemdepression / -lähmung. Kombinationen bei fehlender Erfahrung unbedingt vermeiden !

  • Ketamin + Hypnotika (Benzodiazepine und Neuroleptika, z. B. Diazepam = Valium®, Faustan®): Eine in der Medizin übliche Kombination, um unerwünschte Wirkungen wie unangenehme Träume zu unterdrücken und die Wahrnehmung stärker zu dämpfen. Diese Kombination birgt jedoch das Risiko einer Atemlähmung und sollte deshalb nur unter ärztlicher Aufsicht eingenommen werden !

  • Ketamin + Amphetamin / Methamphetamin, Kokain u. ä. Psychostimulanzien: Die Kombination von beruhigenden und aufputschenden Substanzen wird psychisch und körperlich häufig als unangenehm empfunden und steigert die Herz-Kreislaufbelastung enorm. Der Konsum von Stimulanzien erhöht den Bewegungsdrang. Dies kann auf Grund der Schmerzunempfindlichkeit und der eingeschränkten motorischen Fähigkeiten durch Ketamin zu Verletzungen und Unfällen führen.

  • Ketamin + MDMA: bei geringer Ketamindosis mehr bildhafte Visionen, oft als angenehm empfunden; bei hohen Ketamindosen wird die Gegensätzlichkeit der Wirkprofile deutlich (sinnliche Wahrnehmung gedämpft und erhöht); wird als extrem unangenehm beschrieben.

Safer use


  • Risikofreien Konsum gibt es nicht! Wer trotzdem konsumiert, sollte sich mit den Safer-Use-Regeln vertraut machen:

  • Wie bei allen Drogen spielen Set (körperliche und psychische Voraussetzungen) und Setting (Rahmenbedingungen) eine entscheidende Rolle für die Wirkung.

  • Personen mit Bluthochdruck, Herzstörungen, »grünem Star«, Neigung zu epileptischen Anfällen, Depressionen, Schilddrüsenüberfunktion, Angina Pectoris oder Psychosen sollten kein Ketamin konsumieren!

  • Ketamin nur geplant konsumieren! Die Beeinträchtigung motorischer Fähigkeiten kann zu Unfällen und Verletzungen führen. Am besten hinlegen (vor allem, wenn die nasale Dosis höher als 30 mg ist) und nie alleine sein! Ab einer Dosis von 100 – 150 mg sollte auf jeden Fall eine nüchterne Begleitperson dabei sein, die im Notfall Hilfe leisten oder holen kann!

  • Personen im Ketamin-Vollrausch auf keinen Fall Speisen oder Getränke anbieten. Ketamin stört die Motorik des Mund-Rachen-Raumes (Gefahr, sich zu verschlucken!). Darüber hinaus können die Abwehrreflexe im Mund-Rachen-Raum übersteigert sein; beim Kontakt z. B. mit Wasser kann eine Verkrampfung des Kehldeckels und als Folge Atem- oder Herzstillstand auftreten! Nach Abklingen des Rausches kann Wasser getrunken werden.

  • Durch unterdrücktes Schmerzempfinden besteht eine erhebliche Gefahr von Verletzungen (vor allem beim Herumlaufen) und Verbrennungen (z. B. durch Heißgetränke). Unter Ketamineinfluss nicht schwimmen oder in die Badewanne gehen – Gefahr des Ertrinkens wegen möglicher plötzlicher Bewegungsunfähigkeit.

  • Für den Fall, dass Ketamin i. v. oder i. m. gespritzt wird: nicht allein konsumieren und sehr niedrig dosieren! Die Spritze könnte im Arm stecken bleiben, da die Wirkung sehr schnell einsetzt und eine Atemdepression auftreten kann! Nur eigenes, steriles Spritzbesteck verwenden ! Spritzen nicht weitergeben – Infektionsgefahr (u. a. HIV, Hepatitis)!

  • Da die gleiche Dosis bei geringerem Körpergewicht oder kleinerer Statur meist eine stärkere Wirkung hervorruft, steigen möglicherweise auch die Risiken. Also etwas niedriger dosieren!

  • Im Falle einer Bewusstlosigkeit Puls und Atmung des Users überwachen und bei eventuellem Herz-Kreislauf-Stillstand Erste Hilfe leisten bzw. den Notarzt / die Notärztin rufen.

  • Ketamin sollte nicht auf vollen Magen eingenommen werden, da durch Bewusstseinstrübung die Gefahr besteht, am eigenen Erbrochenen zu ersticken – also mindestens eine Stunde vor dem Konsum nichts essen!

  • Musik leise hören! Du hörst unter Ketamineinfluss manche Frequenzen nicht mehr, die Dein Hörvermögen irreparabel schädigen können.

  • Der Ketaminrausch ist sehr anstrengend. Am Tag danach eine Erholungspause einlegen.

  • Vermeide während eines Ketaminrausches verantwortungsvolle Tätigkeiten! Nicht Auto oder Fahrrad fahren!
  • Beim Sniefen: Zerhacke das Pulver so klein wie möglich und achte auf eine saubere Unterlage. Benutze immer Dein eigenes, sauberes Röhrchen – am besten eins mit stumpfen oder abgerundeten Rändern. So beugst Du Verletzungen Deiner Nasenschleimhäute und Infektionen wie Herpes und Hepatitis vor. Bakterien und Viren am Ziehröhrchen oder an der Banknote können durch die gemeinsame Nutzung an andere Personen übertragen werden. Nach dem Konsum Nase spülen (1 TL Meersalz auf ¼l Wasser), besser isotonische Kochsalzlösung aus der Apotheke benutzen.


Female Special


Der Konsum von Ketamin kann Erbrechen hervorrufen.
Passiert das bis zu 4 h nach Einnahme der Pille, kann u. U. zu wenig Wirkstoff der Anti-Baby-Pille in den Blutkreislauf gelangen, so dass eine Schwangerschaft möglich ist. DESHALB: mit Kondomen oder anderen nicht-hormonellen Verhütungsmitteln vor einer ungewollten Schwangerschaft schützen!

Ketamin gelangt (wie auch alle anderen Substanzen) in Plazenta und Muttermilch. Schädigungen beim Fötus und Baby können auftreten. Hohe Dosierungen können zudem zu Frühgeburten führen. Deshalb während Schwangerschaft und Stillzeit unbedingt auf Ketaminkonsum verzichten!

Bilder

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